Vor ein paar Jahren fing ich mit einer Unternehmung an, alleine die ehemalige Bernsteinstraße zu Fuß zu durchstreifen. Auf Grund einer wissenschaftlichen Publikation und einer drin gefundenen Landkarte bearbeitete ich und durchmarschierte eine Strecke aus Prag nach der Ostseeküste und eine Strecke Fluss Moldau entlang, wieder aus der Tschechischen Hauptstadt, jedoch nach Linz, in Oberösterreich. Und durch das Gebiet Österreich und Italien nach Aquileia zu bekommen. Das ist eine der Abzweigungen der ehemaligen Bernsteinstraße, die aus Aquileia an der Adria nach Norden Europas führt, und zwar nach der bernsteinreichen Ostseeküste: Danziger Bucht und Samland. Auskunft darüber finden Sie in der Polnischen, Deutschen und Italienischen Sprache auf der Seite: http://www.bursztynowyszlak.com/index_deutsch.html

niedziela, 10 czerwca 2018

Die Handelsfaktoria in Pruszcz Gdański

Vom 2. Jahrhundert v.u.Z. an bis Mitte des 5. Jahrhunderts u. Z. bestand an der Weichselmündung ein bedeutendes Handelszentrum, das sich auf dem Gebiet des heutigen Pruszcz Gdański konzentrierte. Hier liefen die Abzweigungen der Bernsteinstraße zusammen, die wiederum die nördlichen Gebiete mit dem Römischen Kaiserreich verband. Die Hauptroute der Bernsteinstraße verlief durch die Donauprovinzen und reichte bis an die Südküste der Ostsee. Zu jener Zeit gab es auch einen Pommern mit den westlichen Provinzen des Kaiserreichs verbindenden Seeweg wie auch eine von der Ostsee in Richtung nördliche Schwarzmeerküste verlaufende Süd-Ost-Route.
Eine Faktorei ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum einer Siedlung, das einen an einer Handelsstraße befindlichen Treffpunkt darstellt. Solche Orte waren mit Palisaden oder anderen Befestigungsanlagen umgeben, die den Einwohnern, den Kauflauten wie auch den kostbaren Waren Schutz bieten sollten. In Altertum hatten die Handelssiedlungen verschiedene Funktionen zu erfüllen. Sie waren einerseits Handelsplatz, dort fanden aber auch verschiedenste Begegnungen statt, auf denen man mit den Ankömmlingen aus anderen Teilen Europas Gedanken und Erfahrungen austauschte.

Die Fülle an archäologischen Funden sowie ihr Beitrag zur Erweiterung unseres Entwicklung des Wissens über Pommerns Geschichte gaben den Anstoß zur Rekonstruktion einer Faktorei genannten Handelssiedlung in Pruszcz Gdański. Heute ist die Handelssiedlung aus der Römischen Kaiserzeit ein modernes Ausstellungs- und Bildungszentrum. In der Hütte des Häuptlings sind auf dem Gelände der Stadt Pruszcz Gdański freigelegte archäologische Funde ausgestellt. Die Exponate stammen aus den Beständen des Archäologischen Museums sowie des Bernsteinmuseums in Gdańsk. Die Ausstellung trägt den Titel Die Magie der Bernsteinstraße - Schätze aus Pruszcz Gdański. Die Besucher können hier die Kunst der damaligen Bernsteinmeister bewundern, die ihnen Ausdruck in kunstvoll ausgeführtem Schmuck und Kleidungselementen findet. In der Ausstellung werden auch Gegenstände gezeigt, die einst aus den weit entfernten Provinzen des Imperium Romanum ins heutige Pruszcz gelangt waren.

Das Haus - ein außergewöhnlich interessantes Objekt.

Es ist eine Stelle, in der eine Zeitreise möglich ist, plötzlich befindet man sich in der Zeit vor 2000 Jahren.

Das Haus des Bernsteinmeisters ist eine Rekonstruktion einer Arbeitsstelle des Handwerkers. Es sind dort Gegenstände zu sehen, die er benutzt hat und die er während der Verarbeitung benutzt hat. Während der archäologischen Untersuchungen die man in Pruszcz Gdański geführt hat, wurden sehr viele Bernstein-Schmuckstücke gefunden, die ein Beweis der außergewöhnlichen Kunst der Handwerker sind. Gleich am Eingang kann man Werkzeug des Handwerkers sehen: eine Drehbank, Messer, Feilen, Steinschneiden, eine Poliersteinplatte, Bohrer, Filz und Hirschleder für die Endpolierarbeiten.
 
 Das Haus des Bernsteinmeisters

Das Haus des Bernsteinmeisters

Im Inneren ist das Gebäude in zwei Teile geteilt, mit einer Geflechtwand.

Hinter der Geflechtwand befindet sich eine Rekonstruktion einer vertikalen Webwerkstatt.

Der Geflechtwand. Außerdem befinden sich in dem Haus: eine Feuerstelle und ein Lehmofen, gefertigt aus Ästen, die mit Lehm bedeckt wurden und der in den Boden eingegraben ist.

Das Haus des Bernsteinmeisters

Das Haus des Schmiedes ist eine treue Rekonstruktion eines Hauses aus der römischen Zeit. In der Handelsfaktoria kann man auch die Schmiedewerkstatt sehen, in der auch das entsprechende Werkzeug zu bewundern ist. Alle Gegenstände aus Stoff, Holz und Korbweide sind auf eine traditionelle Art und Weise angefertigt worden. Vor dem Eingang in das Haus befindet sich die Schmiedewerkstatt: eine Feuerstelle mit Schmiedebalg und Holzfässer mit Wasser, in denen man die gefertigten Gegenstände abgehärtet hat. Auf einem Holzklotz liegt das Grundwerkzeug des Handwerkers: der Amboß, die Zange, die Hämmer, Feilen, Lochhämmer und andere.

Das Haus selbst wurde aus Eiche und Nadelholz gebaut. Der Fußboden ist aus gespalteten Brettern gefertigt. In dem Haus befindet sich typische Haushaltsausrüstung: in der Ecke eine viereckige Feuerstelle, das Bett ist mit Pelz und selbst gewebtem Wollstoff bedeckt, vor dem Tisch steht eine Holzkiste, die sowohl die Rolle der Sitzbank hat, aber auch eines Fachs.

Das Haus des Schmiedes, betonenswert ist die Tatsache, dass die Mehrheit des alten Schmiedewerkzeugs in unveränderten Form bis heute noch existiert.

Das Tor und Palisade

Die Hütten des Bernsteinmeisters und des Schmieds wurden auf Grundlage des Wissens der Archäologen so nachgestellt.

Der Bauernhof

Natürliche Dacheindeckung

Darüber hinaus können sich die Besucher der Faktorei im Bogenschießen, Töpfern, in der Bernsteinbearbeitung oder auch dem Holzteerschmelzen üben und den in einer urgeschichtlichen Räucherkammer geräucherten Fisch kosten.



Abteilung für historische Rekonstruktionen
Sport- und Kulturzentrum
Pruszcz Gdański

poniedziałek, 30 grudnia 2013

Auf den Spuren römischer Kaufleute von Wien nach Klosterneuburg

Wien, XXII. Polnische Kulturtage in Österreich


  Limes-Straße an der Donau,
Abschnitt die ehemalige Bernsteinstraße: Aquileia - die Odermündung

Die Limesstraße von Vindobona nach Westen muss Klosterneuburg südlich umgangen haben. Dazu gab es für den römischen Straßenbauer auch gute Gründe. Denn zwischen Vindobona (Wien) und Comagena (Tulln) schob sich der Wienerwald an zwei markanten Stellen bis hart an das Donauufer. (...)
Dies alles aber ist nicht dahin zu verstehen, dass es zwischen dem Legionslager Vindobona und seinem westlichen Flankenschutzlager Klosterneuburg keinen direkte Verbindungsmöglichkeit gegeben hätte. Ein vom Militär benützter Verbindungsweg über die späteren Dörfer Heiligenstadt, Nußdorf und Kahlenbergerdorf als via militaris wird wohl bestanden haben und ist auch vom zivilen Nahverkehr benützt worden. (...)

Karte aus Stadtmuseum Sankt Pölten: Der Limes in Österreich, wo beide Straßen sichtbar sind, der großen Reichsstraße von Vindobona über Comagena nach Cetium (St.Pölten) und Verbindung von Vindobona nach römische Kastell heute Klosterneuburg.

ARRIANA CASTRA (Arrianis) - Klosterneuburg, das westlichste Hilfstruppenlager der römischen Provinz Pannonia (Pannonia superior)
Autor: Prof. Dr. Hannsjörg Ubl
Text mit freundlicher Genehmigung: Dr. Karl Holubar (Stiftsarchivar)

Das römische Kastell von Klosterneuburg war zur Sicherung der westlichen Provinzgrenze Pannoniens angelegt  in der II. Hälfte des I. Jahrhunderts und von einer Hilfstruppenkohorte besetzt worden.
Nach ihren archäologischen Hinterlassenschaften konnten im Klosterneuburger Lager drei Hilfstruppenkohorten nachgewiesen werden - die cohortes I Montanorum, II Batavorum und I Aelia sagittariorum - von denen als dritte, die zwischen 117 und 127 im Lager eingerückte Aelia sagittariorum auffallend zahlreiche gestempelte Ziegel hinterlassen hat. Mit dem Ziegelstempel lässt sich die Anwesenheit der Truppe im Klosterneuburger Lager gesichert noch im späten III. Jahrhundert nachweisen. (...)
 
Klosterneuburg ist heute durch die archäologische Forschung als Standort eines römischen Militärlagers am pannonischen Donaulimes erkannt worden.

Mit der cohors I Aelia sagittariorum beginnt in Klosterneuburg eine Periode intensiver Ziegelproduktion, deren Erzeugnisse sich nach Osten zu in verschiedenen pannonischen Lagern entlang des Donaulimes wie auch in der römischen Großvilla von Bruckneudorf finden.

(...) Erhärtung fand die Namenszuweisung ARRIANIS an das archäologisch als westlichstes Lager Pannoniens erkannte Klosterneuburg durch Ziegelstempel mit der Ortsnamenprägung ARRIANIS, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in den militärischen Ziegeleien von Klosterneuburg geschlagen und gebrannt worden sind.
(...) Natürlich ist der Lagername auch auf die sich neben dem Lager rasch ausbreitende Zivilsiedlung, den vicus, übertragen worden. (...)

Stift Klosterneuburg
 

piątek, 27 grudnia 2013

Stadtmuseum Leonding


An der Grenze des römischen Reiches
Der römische Wachturm am Kürnberg ist Teil der Befestigung der insgesamt über 5.500 km langen Außengrenze des Imperium Romanum gewesen, die heute unter dem Begriff Limes zusammengefasst wird. Im Bereich der Provinz Noricum bildete die Donau ein natürliches Hindernis, das zusätzlich durch Wachtürme, Kastelle und ab dem späten 2. Jahrhundert n. Chr. auch durch ein Legionslager in Lauriacum/Enns gesichert wurde. Die nächste größere Einheit war im Kastell Lentia/Linz stationiert. Zwischen der Wachturmkette und den Truppenlagern konnte mittels Signalzeichen kommuniziert werden.














Der Wachturm beim Hirschleitenbach.
Dieser Bau hatte einen Grundriss von 6 x 6 m. Wie Ziegel mit dem Stempel "URSICINUS" zeigen, löste im späten 4. Jahrhundert n. Chr. ein größerer Turm mit einer Grundfläche von nicht ganz 10 x 10 m den alten ab.



















Straßen und Verkehr
Ein unglaubliches Verkehrsnetz bildete die Grundlage für eine funktionierende Verwaltung des Imperium Romanum. Größere Truppenbewegungen ließen sich leichter bewerkstelligen, der rasche Informationsfluss wurde durch ein ausgeklügeltes Postsystem (cursus publicus) garantiert und selbstverständlich profitierte auch die Wirtschaft davon. Besondere Bedeutung kam den schiffbaren Gewässern zu. Die Donau spielte als lange Ost-Westpassage eine wesentliche Rolle, aber auch die größeren Zubringerflüsse konnten zumindest saisonal befahren werden.
Das heutige Oberösterreich wurde in römischer Zeit außerdem durch drei Hauptstraßen erschlossen. Eine von Carnuntum kommende Ost-West-Verbindung führte über Lauriacum/Enns und Ovilavis/Wels nach Iuvavum/Salzburg. In Ovilavis traf diese auf die sog. norische Hauptstraße, die den Norden mit dem Süden der Provinz Noricum verband und über den Pyhrnpass lief. Am Beginn des 3. Jahrhunderts wurde die Donauuferstraße nach Boiodurum/Passau ausgebaut, ein Hinweis auf die militärische Bedeutung dieser Verbindung.

Eine Rekonstruktion eines römerzeitlichen Reisewagens. Auf den Straßen war der Großteil der Menschen wohl zu Fuß unterwegs, Reittiere oder gar Reisewagen Blieben einer besser begüterten Klientel vorbehalten.

Das Stadtmuseum Leonding ist im Turm 9 der ehemaligen Maximilianschen Befestigungsanlage untergebracht.

von Text: Stadtmuseum Leonding

niedziela, 15 września 2013

Enns

Wo diese Route unter dem Ennser Georgenberg vorbeiführt, am Schnittpunkt wichtiger Verkehrswege, entsteht schon im frühen ersten Jahrhundert nach Christi Geburt eine kleine Siedlung, die den keltischen Namen Lauriacum* annimmt. Sie beherbergt eine Händlerniederlassung und vielleicht einen kleinen Militärposten. Nach den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Markomannen wurde um 190 n. Chr. die legio II Italica vom nahen Albing nach Enns verlegt, und baut etwas nördlich der bereits bestehenden zivilen Siedlung ein neues Lager. Lauriacum wurde der wichtigste römische Militärstützpunkt zwischen Regensburg/Castra Regina und Wien/Vindobona. Mit umfangreicher militärischer und ziviler Infrastruktur ausgestattet war Lauriacum Sitz des Legionskommandanten und ein wichtiges Verwaltungszentrum der Provinz Noricum.
In den antiken Straßenverzeichnissen war Lauriacum (verschrieben als Blaboriciaco) Endpunkt der Straße von Aquileia über die Alpen, die hier in die Limesstraße mündete. Auf den Straßen bewegten sich Truppen, Nachrichtendienste und Nachschubtransporte. Das ausgebaute Straßennetz ermöglichte den Austausch von vielfältigsten Kulturtraditionen, aber auch von Luxusgütern.
*Lauriacum - der Name deutet auf eine keltische Siedlung im Umfeld von Enns, die jedoch nicht lokalisiert werden konnte. Auch der Name des Flusses Enns ("Anisus") geht auf Keltischen Ursprung zurück.

Umriss des Gebäudes des Legionslagers in Albing, auf Google Maps.
Aus nicht näher bekannten Gründen, vielleicht wegen unvermutet heftiger Donauüberschwemungen, wird das Albinger Lager aufgegeben. Die Legion verlegt auf das westliche Ennsufer.

Mauerreste ein römisches Haus (2. - 3. Jh) neben Basilika St. Laurenz. In der Unterkirche der Basilika haben sich bauliche Überreste aus der Römerzeit erhalten, die in Führungen zugänglich sind.Vitrinen zeigen Funde und geben Informationen über die Forschungsgeschichte.

Heutigen Stadt Enns, vielleicht sind in antiken Lauriacum ähnliche Exemplare wuchsen.
In den canabae legionis (eine lockere Siedlung), den Lagervorstädten, lebten Händler und Handwerker in beheizten Fachwerkbauten. An den Straßen lagen die Verkaufsstände und Wohnräume, dahinter überdachte Werkstätten. Von gehobenem Tafelluxus zeugt ein Silberschatz von 8 Gefäßen und einem Spiegel.
Gleichzeitig mit dem Lagerbau entsteht westlich von diesem eine große Zivilsiedlung. Die Grundrisse der Gebäude mit Innenhöfen und Säulengängen in einem rechtwinkeligen Straßennetz erinnerten die Ausgräber an die Bauweise italischer Städte und ließen sie von einer "Zivilstadt" sprechen. Wohlhabende Bürger lebten in großzügig angelegten Quartieren (insulae), deren Wohnräume mit Wand- und Bodenheizung, Fresken und privaten Bädern ausgestattet waren. Die römische Zivilstadt Lauriacum, erhielt bereits im Jahre 212 das Stadtrecht.
Ein Handwerkerviertel von über 100 Werkstätten mit qualmenden Öfen lag hinter einer Mauer, die die Brandgefahr eindämmen sollte. In Töpfereien wurde Keramikgeschirr erzeugt, in Schmieden Metalle geschmolzen, gegossen und bearbeitet.
Die Zivilstadt Lauriacum wächst trotz verschiedener Zerstörungen während des dritten Jahrhunderts zu einer blühenden "Großstadt" an der norischen Donaugrenze und wird zum zeitweiligen Amtssitz des Statthalters von Noricum.
Ein Handelshaus aus Aquileia, das Salz, Eisen und Edelmetalle aus Noricum exportierte, siedelte sich in Lauriacum an.

Museum Lauriacum - Museum der Stadt Enns
Das Museum ist im Alten Rathaus mit barocker Fassade untergebracht. Eine der umfangreichsten archäologischen Sammlungen zur Römerzeit in Österreich wird in mehreren Schauräumen gezeigt, beginnend mit den Funden aus dem Legionslager.

Vergrößerte Kopie einer Seite der Notitia Dignitatum. In der 2 Reihe links außen der Schild und Einheitsbezeichnungen der Lanciarii Lauriacenses.
Die Soldaten der Legion sind mit Aufgaben des Grenzschutzes betraut, aber ihre Unteroffiziere und Bürochargen sitzen in den verschiedenen Ämtern der Provinzverwaltung. Bautrupps der Legion arbeiten an militärischen und anderen öffentlichen Bauten, bauen Straßen und betreiben Ziegeleien. Das Militär betrieb eigene Ziegeleien, deren Produkte mit dem Stempel der jeweiligen Einheit markiert wurden. Ziegelstempel sind daher wichtige Quellen zur Truppengeschichte der Provinzen.
In den unsicheren Zeiten der Völkerwanderung verringert sich der Mannschaftsstand der Legion. Die Bevölkerung drängt aus der unbefestigten Stadt hinter die sicheren Lagermauern hinein, und so wandelt sich das Legionslager langsam zur Zivilstadt.

Terra Sigillata Gefäße, 2./3. Jh.
Neben einer einfachen, glattwandig-unverzierten Ware wurden auf die mannigfaltigste Weise verzierte Terra Sigillata Gefäße hergestellt. Frühe Sigillaten wurden mit kleinen aufgarnierten Appliken oder in Barbotinetechnik geschmückt, andere mit horizontalen Rädchenabrollungen oder Ratterdekor. Die jüngeren großen Reliefschüsseln sind mit Hilfe von Formschüsseln gefertigt worden, in die der Reliefschmuck mit Stempeln eingeprägt war. Töpferwerkstatt und Töpfer zeichneten ihre Waren mit Firmen- und Namensstempeln, die Formschüsselkünstler ritzten ihre Namenszüge in die Formschüssel selbst.
Nachdem im 3. Jh. n. Chr. die Töpfereien im benachbarten Rätien aufgehört hatten zu produzieren, versiegte der Terra Sigillata Import nach Lariacum. Es floss nur noch ein schwacher Warenstrom an terra Sigillata aus Nordafrika über die Alpen, der mit wenigen Produkten auch Lauriacum erreichte.

Modell einer Boden- Wandheizung, darüber Ziegeldach
Die meisten Hausdächer in Lauriacum der mittleren und späten Kaiserzeit waren mit Ziegeln gedeckt. Zu einer römischen Ziegeldeckung gehörten zwei Ziegelarten: die Leistenplattenziegel (Tegula) und der Kappenziegel (Imbrex). Daneben aber kam sicher auch Stroh- und Schilfdeckung vor und die Schindeldeckung ist durch ein Schindelmesser bezeugt. Der Schindelerzeuger hieß Scandularius.
Zu eiger gut funktionierenden Unterflurheizung, Hypokaustum, gehörte der über Ziegel- oder Steinsäulen hohl gelegte Fußboden. Die einzelnen Pfeiler der Suspensur wurden mit Gurtbögen aus Keilziegeln oder großen Plattenziegeln überspannt. Die von der Heizkammer, Praefurnium, unter den Fußboden in die Suspensur strömenden heißen Heizgase wurden durch Hohlziegel, Tubuli, in einzelnen Schläuchen oder wandbreit zu den Kammern und über Dach ins Freie geleitet.

Dachschmuck:

Kaminaufsatz, 3. Jh.,

Firstziegel mit Maskengesicht, 3. Jh.

von Text:
Museum Lauriacum
und
Der Donaulimes in Österreich
Das römische Legionslager ENNS – LAURIACUM
www.limes-oesterreich.at

czwartek, 12 września 2013

Pöchlarn


Ein kleines Schloss in Klein-Pöchlarn

Die Dauerausstellung im Stadtmuseum Arelape-Bechelaren-Pöchlarn

Zu Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurde der österreichische Donauabschnitt Nordgrenze des Römischen Imperiums. Zur Sicherung der Reichsgrenze entstanden ab dieser Zeit an strategisch wichtigen Punkten Befestigungsbauten für Legionen und Hilfstruppen. Im selben Jahrhundert, die Römer errichteten ein Lager, mit dem Namen Arelape. Die ersten Ost-West orientierte Mannschaftsbaracken, aus Holz gebaut wurden. Die Wehrmauer bestand vermutlich aus einer Holz/Erde- Konstruktion. Ende des 1./Anfang des 2. Jahrhunderts kam es zu einer Schleifung der Holzbauten und es wurden am selben Platz neue hölzerne Soldatenbaracken errichtet. Als Befestigung diente eine 1,2 m breite Steinmauer, die mit einem quadratischen Turm an der Innenseite verstärkt wurde. Im Lauf des 2. Jahrhunderts wurden die Holzgebäude dann erneut abgebrochen und ersetzt (auf Steinfundamente). Es änderte sich jedoch die Ausrichtung und Konstruktionsweise der Holzwände. An der Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert wurden die älteren Befestigungsanlagen durch den Bau einer zweiten Lagermauer und so genannter Hufeisen- und Fächertürme verstärkt. Auch bei den Mannschaftsbaracken kam es zu umfangreichen Umbauten. Zusätzlich dazu die beiden älteren Lagergräben wurden durch einen weitaus größeren und tieferen Graben ersetzt. Das in Holz-Erde-Bauweise errichtete, später mehrfach in Stein umgebaute Lager sicherte die Nordgrenze des römischen Imperiums vom späten 1. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr.

Kastell Arelape in der 3-D-Rekonstruktion. Die Größe des römischen Lagers: etwa 155 x 155 m, was einer Fläche von 2,4 ha entspricht.

Modell eines römischen Kriegsschiffes (liburna), schnelles, wendiges Ruderschiff der römischen Kriegsmarine mit Segel und Rammsporn am Bug. In der Spätantike war Pöchlarn Sitz eines Befehlshabers der Donauflottille.

Die Zivilsiedlung erstreckte sich südlich und östlich des Kastells. Ihre Ausdehnung ist bisher ausschließlich durch Einzel- und Zufallsfunde erschlossen. Im ehemaligen Schlosspark wurden eine Badeanlage sowie Wohnhäuser ausgegraben.

Das in antiken Quellen überlieferte, unter dem heutigen Stadtkern liegende Kastell Arelape war eines der Hilfstruppenlager am römischen Donaulimes in der Provinz Noricum. Als stationierte Truppe ist die cohors I Flavia Brittonum nachgewiesen, die etwa 130 n. Chr. von Dalmatien nach Arelape verlegt wurde. Für die Spätantike sind eine Reiterformation (equites Dalmatae) sowie ein Flottenstützpunkt belegt.

Wandmalerei in Museum

Das Stadtmuseum Arelape befindet sich im Welserturm.

Flusstransport auf der Donau, genau wie in der Römerzeit.

wtorek, 10 września 2013

Mautern an der Donau

An einer bereits prähistorisch genutzten Nord-Süd Verkehrsverbindung, die parallel zur Bernsteinstraße verlief, kontrollierte das Kastell Favianis den wichtigen Donauübergang. Die Herkunft des Namens "Favianis" ist nicht eindeutig geklärt, geht aber vermutlich auf eine im 1.Jahrhundert nach Christi hier stationierte Soldatentruppe, die cohors faviana, zurück.
Die umfangreiche Verteidigungslinie der Römer gegen die germanischen Völker war der Limes. Der Limes bestand hauptsächlich aus einem Erdwall, der mit Holzpalisaden sowie Wachtürmen verstärkt wurde. Zusätzlich trennte die Donau als "nasse Grenze" das Römische Reich vom Norden. Die Donaugrenze wurde zusätzlich durch Truppenlager geschützt. Eines dieser Lager, die man Castellum nannte, war Favianis - das heutige Mautern an der Donau.


Zunächst in Holz-Erde-Bauweise errichtet, zeigt das Steinkastell mehrere Umbauphasen im 2./3. Jahrhundert, die von der 1000 Mann starken cohors I Aelia Brittonum vorgenommen wurden. Ab 300 n. Chr. bewachte eine Teileinheit legio I Noricorum diesen Donauabschnitt. Teile der 1000 Mann starken Truppe beschäftigten sich mit Bauaufgaben, u.a. der Herstellung von gestempelten Ziegeln.
Das Kastell war in nordsüdlicher Richtung etwa 150 Meter breit und von Osten nach Westen etwa 200 Meter lang. Auf einer Fläche, die heute etwa zehn Fußballfeldern entsprechen würde, hatten 1000 Soldaten Platz. Um das Kastell entstanden Zivilsiedlungen. Dort lebten die Angehörigen der Soldaten, aber auch Nahversorger, Händler und Handwerker, die Dinge des täglichen Bedarfs herstellten. Mehrere tausend Menschen lebten somit im antiken Favianis. Im Vergleich dazu: Das heutige Mautern hat auf einer wesentlich größeren Grundfläche über 3000 Einwohner.

Die Nordfront des Lagers befand sich vermutlich zwischen der Donau und den so genannten Hufeisenturm, Die Südfront lag zwischen Frauenhofgasse und Alte Friedhofstraße. Die Heute noch teilweise erhaltene Kastellmauer schloss das Kastell im Westen ab.

Das Kastell, in dem in der Spätantike Teile der legio I Noricorum und der Präfekt der norischen Donauflotte stationiert waren, erhielt eine neue Befestigung mit fächerförmigen Ecktürmen und erweiterte die Armee das Lager nach Norden. In der Spätantike war die Donau der wichtigste, geschützte Handelsweg, auf dem Getreide und Baumaterial, aber auch Luxuskeramik und Gläser z.B. aus Pannonien transportiert wurden.


Fotos: spätantiker Fächerturm, nach seinem fächerförmigen Grundriss benannte Turm.


Ab der Mitte des 4. Jahrhunderts das Kastell und seine Befestigungen boten Schutz, nicht nur für die militärischer Einheiten sondern auch für die Zivilbevölkerung. Haarnadeln und Kämme, wie sie Archäologen im Innenbereich fanden, beweisen, dass Frauen sich auch innerhalb der Kastellmauern aufhielten, sobald Gefahr drohte. Die Gefahr eines Überfalls war besonders groß in Erntezeiten, wenn alle Hände, auch jene der Soldaten, zum Einbringen der Feldfrüchte gebraucht wurden, und die meist reiche und sichere Beute Feinde anlockte.

Im Hufeisenturm war eine römische Wachmannschaft stationert, die den Zugang zum Turm und in das Kastell sicherte, aber auch das Herannahen von Feinden melden sollte. Das Mauerwerk war bis zu 2,5 Meter stark. Rechteckige Nischen im Mauerwerk erlaubten den Wachtposten, den Turm zu verteidigen und ander Mauer aus geschützter Stellung heraus zu kämpfen. Auch so genannte Spitzgräben, umgaben den Turm und Schützten das Lager vor Eindringlingen. Der nach seiner Form benannte Hufeisenturm diente der Verteidigung, war aber auch Toranlage. Er war größer als vergleichbare Türme der Spätantike. Über eine Innentreppe gelangte man zu einer so genannten Schlupfpforte, eine enge niedrige Öffnung, durch die man gerade durchschlüpfen konnte.

Das Mauerwerk ist noch bis zum dritten Geschoss erhalten. An den Balkenlöchern kann man heute die Höhe der Geschosse erkennen, die oberen Fensteröffnungen an der Westseite sind in ursprünglicher Form erhalten. An den Mauerflächen lässt sich zum Teil noch die Technik des römischen Gussmauerwerks erkennen. Der massive, sogenannte "Römerturm" wurde nicht an die Mauer angesetzt, sondern in diese integriert. Daher musste das Turmfundament über die eigentliche Mauerstärke hinaus verbreitert werden.

Die aus Römerzeit stammende Mauer an der Westseite des ehemaligen Kastells ist die größte, die sich nördlich der Alpen erhalten hat. Sie ist zugleich eines der imposantesten römischen Baudenkmäler Österreichs. Zum Bau wurden wahrscheinlich Steine und Material aus nahe gelegenen Steinbrüchen verwendet. Eine einwandfreie Datierung der Mauer ist jedoch nicht möglich, da das gleiche Material später für Erweiterungen und Ausbesserungen verwendet wurde. Im mehreren Bauphasen wurde das Mauerwerk auf eine Höhe von mehreren Metern hochgezogen. Das ist an den Balkenlöchern erkennbar, die für den Aufbau benötigt wurden.

Römerhalle, von der Donauseite

von Text:
Der Donaulimes in Österreich
Das römische Kastell MAUTERN – FAVIANIS
www.limes-oesterreich.at
und
Stadtgemeinde Mautern

niedziela, 8 września 2013

Sankt Pölten und Traismauer


Aelium Cetium im Stadtmuseum Sankt Pölten

Das Depot eines Geschirrhändlers in Municipium Aelium Cetium (der zweiten Hälfte des III. Jahrhunderts): das Sortiment umfasste mindestens 250 Gefaße, davon mehr als die Hälfte Terra-Sigillata-Tafelgeschirr aus der jüngsten Produktionsserie von Trinkbechern.

Ein Streitwagen war mit einem Krieger und mit einem Wagenlenker besetzt. Der Krieger sprang ab und kämpfte zu Fuß, während der Lenker den Wagen für den Rückzug bereithielt.
 
Dieser eiserne Achsnagel (La Tène Kultur) ist mit einem Bronzekopf verziert, welcher den keltischen Kriegsgott Teutates zeight. Mit solchen Achsnägeln war das Rad an der Achse des Streitwagens befestigt.

Sankt Pölten, Rathausgasse

Augustianis

Das "Römertor" in Traismauer zählt zu den ältesten Gebäuden Österreichs - die porta principalis dextra des römischen Reiterkastells Augustianis. Die Hufeisenförmigen Wehrtürme bestehen seit ca. 1.700 Jahren. Später waren darin die Wachstuben für die Tor- und Nachtwächter untergebracht.